30.07.2018
Fels und Eis Kurs

Fels und Eis Wochenende mit Marco «Lippi»Lippuner Bei Zeiten haben wir uns in Klosters am Bahnhof getroffen um das Gotschna Taxi auf die Alp Sardasca zu nehmen. So viel Luxus muss sein. Ich habe mir ausserdem beim Bäcker einen dringend notwendigen Kaffee zum mitnehmen geholt und sofort gemerkt, dass ich damit wohl meinen Wohnsitz in Züri preisgegeben habe … der Fahrer hat mir später etwas mürrisch den leeren Behälter wieder ins Tal genommen. Wir haben auf der Alp erst einmal unsere Rucksäcke auseinander genommen um Material auszumisten. Mein 70m Seil zum Beispiel, sei selbst für stark durch Klimaerwärmung geschundene Gletscher zu lang! In der Aufräumrunde erfahren wir auch ein bisschen etwas voneinander. Lippi erkundigt sich danach wie viel Erfahrung wir in alpinem Gelände haben und es stellt sich raus, dass wir eine gemischte Gruppe sein werden dieses Wochenende. Beim Aufstieg auf die Silvrettahütte tauschen uns rege über am Berg erlebte Abenteuer aus. Es ist aussergewöhnlich warm und an der Verzweigung des Hüttenwegs machen wir einen kurzen Trink Halt. Vor uns macht sich eine Schlange aus dem Staub! Erstes Highlight. Unser erfahrener Bergführer teilt sein Fachwissen dazu: eine Kreuzotter, eindeutig. https://www.bigra.ch/reptilien Die Kreuzotter, Vipera berus, ist eine kleine Giftschlange, die bei uns oberhalb 1'500 m ü.M. im Normalfall nur um die 50-55 cm lang und 50-100 g schwer wird. Tieflandtiere werden gut 10 cm länger und doppelt so schwer. Die Männchen sind im Mittel etwas kleiner als die Weibchen, haben aber einen längeren Schwanz. Beiden Geschlechtern eigen ist als Zeichnung ein durchgehendes Zickzackband längs der Rückenmitte und je eine Fleckenreihe längs der Flanken. In Ermangelung an Gegenvorschlägen nickt die Gruppe bestätigend dem Bergführer zu und erfreut sich des Anblicks der sich verkriechenden Schlange. Wenig später gehen gar nicht erst in die Hütte sondern drehen direkt Richtung Steingarten ab. Hier wollen wir am ersten Tag die Grundlagen für das Gehen im Fels lernen. Wir verknoten unsere Seile zu Achter, Spiirastich, Klemmknoten, Mastwürfen und lernen, wie wir eine Seilverkürzung wickeln ohne uns selbst zu erhängen. Bei Absturzgefahr am kurzen Seil, bei Gletscherspalten am langen Seil gehen, kurz und deutlich mit dem Seilpartner kommunizieren. Ausserdem lernen wir die drei wichtigsten Sätze des Bergführers: 1. Wir sind gleich da! 2. Das war die Schlüsselstelle! und 3. Das hast du super gemacht! Wir dürfen in einem nächsten Teil eine leichte Route mit den Bergschuhen einhängen und spornen uns gegenseitig an, Ängste zu überwinden und das Atmen beim Klettern nicht zu vergessen. Nach dem Aufwärts, geht es runter. Wir richten eine Abseilstelle ein, kontrollieren einander mit genauem Blick und Einer nach dem Anderen rauscht nach unten Richtung Alpenrosen. Mit teils grösseren oder kleineren Knoten in den Köpfen, stolz über das frisch Gelernte und mit einem Bärenhunger ziehen wir am späteren Nachmittag Richtung Hütte hoch. Apéro Zeit! Hier sind wir alle gleich stark! Wir verbringen einen geselligen Abend in der Hütte! Lippi erklärt uns, wie Bergführer ihr Wissen austauschen, was es für verschiedene Bergführertypen gibt und während wir am gigälä sind wird Peg, unser ältester Teilnehmer, Grossvater! Wie gut, dass wir einen Grund haben anzustossen! Während dem feinen Hütten Z’nacht schaue ich immer wieder die verschiedenen Gruppen um uns herum an, versuche raus zu hören, was sie für Pläne haben für den Sonntag. Wir lassen es uns gut gehen und sind weit nach der offiziellen Nachtruhe erst in unseren Bettern. Sonntag. Wir hatten nicht einen Schnarcher in unserem Zimmer. Gut gemacht, Team! Nach dem Z’morget gehen wir hoch auf den Gletscher. Seit ich zum letzten Mal hier war, hat sich dieser noch einmal merklich zurückgezogen und wenn die Sonne dazu auch noch so brennt wird einem bewusst, wie vergänglich diese Szenerie ist. Wir bleiben am Fuss des Gletschers und ziehen unsere Steigeisen an. Beim Blick aufs Verstancla Horn denke ich an die beiden Jungs die wir am Abend gesehen hatten und frage mich, wo sie in der Zwischenzeit sind. Wir üben an einem Stein, wie es sich mit den Steigeisen klettert. Gar nicht so einfach den Dingern zu vertrauen wenn man auf einer Platte steht! Dann gehen wir aufs Eis. Ziel heute: Knoten wiederholen, einen Flaschenzug einrichten und MacGyvern. Wir sind uns nicht alle einig wie ein Achter auszusehen hat, schaffen es aber gemeinsam. Beim Einrichten des einfachen Flaschenzugs muss man sich ganz schön konzentrieren. Dann zeigt uns Marco den doppelten Flaschenzug! Hui, das ist echt viel Knoten und richtig viel umlenken… ich mache mir Notizen dazu und ertappe mich, wie ich abkürze. Das schreit nach praktischer Wiederholung! Nach einigen Malen bekommt man das Gefühl, dass man doch tatsächlich einen Freund aus einer misslichen Situation befreien könnte. Ein gutes Gefühl. Wir bekommen eine ganze Ladung an wertvollen Informationen und merken, dass man am Berg durchaus auch mal improvisieren darf wenn man dafür eine Person in Sicherheit bringen kann. Am meisten Beeindruckt hat mich persönlich, als wir mit der Eisschraube einen Stand ins Eis gebohrt haben ohne Material zurück lassen zu müssen. Ein Lock bohren, ca. 45° zur Oberfläche. Dann ein zweites Lock bohren, 90° zum Ersten. So, dass sich die Enden treffen und man eine Prusickschlinge durchziehen kann. Es war unmöglich das Eis zu brechen. Der Stand hielt scheinbar bomben fest auf statische Belastung. MacGyver kann einpacken! Wir geniessen noch einmal die Schönheit des Panoramas bevor wir, gegebenenfalls etwas bescheidener und voll mit neuen Informationen ins Tal zurück gehen. Herzlichen Dank an Marco Lippuner für das durchführen des zweitägigen Kurses.

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